Die „Saga der Van Pletsens“

August 13, 2011 at 2:19 am 1 comment

Chronik der Familie Van Pletsen von Helen Lewald, geb. van Pletsen*

[Aus der Originalsprache Afrikaans ins Deutsche übersetzt und kommentiert von ihrem Sohn, Roon Lewald]

Helen and Albrecht in their Berlin student years

Helen and Albrecht in their Berlin student years

Vorwort

Nachdem meine Mutter im Jahre 1974 in Pretoria die Chronik ihrer Familie handschriftlich verfasst hatte, wurde das von einem Vetter säuberlich getippte Manuskript von ihrer Verwandtschaft als einzig bekannte Ahnengeschichte dieser in Südafrika weit verzweigten, burischen Sippe mit großem Interesse begrüßt. Sozusagen im Samisdat-Verfahren ging die 9-seitige Chronik von Hand zu Hand und tauchte bald auch bei Stammesmitgliedern auf, von deren Existenz nicht einmal sie in ihren eifrigen Recherchen erfahren  hatte.

Trotzdem konnte ich es kaum fassen, als ich im Jahre 2008, etwa 30 Jahre nach ihrem Tod, beim Surfen im Internet zufällig in dem Blog des mir damals noch nicht bekannten Blane van Pletzen-Rands auf den vollen Wortlaut derselben Chronik stieß, die meine Mutter vor so vielen Jahren akribisch erforscht hatte. Sofort habe ich Blane von meinem deutschen Wohnsitz in Bonn angerufen und feststellen können, dass wir (wie es bei den Buren heißt, die in ihrer Sprache jeden älteren Menschen familiär als „Onkel“ oder „Tante“ und Altersgleiche als „Vetterchen“ oder „Kusinchen“ anreden) tatsächlich entfernte „Vettern“ sind. In der weiß-südafrikanischen Diaspora, die sich seit der großen politischen Wende in Südafrika verstärkt im Ausland gebildet hat, denken besonders ausgewanderte Buren nostalgisch zurück an ihre kulturellen Wurzeln – auch wenn sie (wie Blane und ich) die negativen geschichtlichen Entwicklungen bedauern, die zur unmenschlichen Apartheidpolitik der jüngeren Vergangenheit geführt haben. So hat Blane diesen Blog u.a. als virtuellen Knotenpunkt konzipiert für ehemalige Landsleute, die sich für die Geschichte der Van  Pletsens (alt. Schreibweise: Van Pletzen) interessieren.

Abgesehen von meiner engen Verwandtschaft mit der Autorin bedeutet die „Saga der Van Pletsens“ jedoch m.E. mehr als nur eine X-beliebige Familienchronik. Zu einer Zeit geschrieben, als die Buren wohl oder übel die politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Zügel Südafrikas noch fest in der Hand hatten, ist die in der unterhaltsamen Erzählweise des Burenvolks von Anno Dünnemal verfasste „Saga“ seitdem ein historisches Dokument einer fast schon ausgestorbenen Welt geworden. Dies ist die Welt eines trotz ihrer aus historischen Zwängen entstandenen Fehlentwicklung recht liebenswerten, gemütlichen Siedlervölkchens, das sich hauptsächlich aus holländischen, deutschen und französisch-hugenottischen Einwanderern zusammengefügt und in einer anfangs ungezähmten Wildnis seine selbst zurecht gezimmerte, freiheitsliebende Identität stets eisern behauptet hat  – selbst angesichts der Übermacht des britischen Kolonialreichs im anglo-burischen Krieg von 1899-1902. Trotzdem zeigte sich das oft als stur verschriene Volk schließlich flexibel genug, mehrheitlich die völlige Kehrtwende seiner letzten politischen Führung zu bejahen und die schwarze Mehrheitsregierung unter Nelson Mandela zu akzeptieren.

Dabei ist die „Saga“ eine eher apolitische Sammlung oft recht humoriger Anekdoten, verbunden mit einer peniblen Aufzählung aller Mitglieder der äußerst kinderreichen Haushalte der verblichenen Van Pletsens seit 1820. Die historischen Hauptbelange der burischen Politik – Beherrschung der numerisch überwältigenden Mehrheit der Schwarzafrikaner; trotzige Selbstbehauptung gegenüber der ehemaligen britischen Weltmacht; Kulturkampf gegen die einst dominierenden, Englisch-entstammten Mitglieder der weißen Oberkaste – werden nur beiläufig gestreift. Man erfährt z.B. von rebellischen Van Pletsens in der damals britischen Kapkolonie, die während des Burenkriegs von den Behörden wegen ihrer Sympathie für die kämpfenden Burenrepubliken im Norden drangsaliert wurden; von einem General der Burenmiliz im Oranje Freistaat, der in einer Schlacht gegen schwarze Basotho-Krieger fiel; und von einer alten Tante, die mit dem ungenierten Siedler-Rassismus ihrer Generation zurückdenkt an die Zeit, als ihre Gegend „von den Kaffern gesäubert“ wurde.

Nicht zuletzt könnte die Chronik besonders deutsche Leser interessieren, weil am Beispiel des 1820 aus Ostpreußen eingewanderten Familiengründers deutlich wird, wie viel deutsches Blut in burische Adern fließt. Die vom vielen Nacherzählen bis zur Absurdität verzerrten Anekdoten über diesem Urahnen, der ursprünglich Carl Johannes von Plessen hieß und unter Napoleon als Söldner gedient haben soll, bilden das unterhaltsame Fundament einer Chronik, die nicht nur seine Nachfahren interessieren könnte.

Roon Lewald

Bonn, im Juli 2011

Roon Lewald

Roon Lewald

Die „Saga der Van Pletsens“

von Helen Lewald (geb. Van Pletsen)

Hier folgt nun die versprochene „Saga der Van Pletsens“, die ich gelobt hatte, rechtzeitig aufzuschreiben, ehe ich „kindisch“ [senil] werde und mich an nichts mehr erinnern kann. Für die Zuverlässigkeit aller Angaben, Kalenderdaten usw. kann ich mich nicht verbürgen, weil das hier von mir Aufgeschriebene auf Hörensagen beruht — auf den Erzählungen von Vater und Mutter, Opa und Oma und alter Tanten und Ohms [Onkeln]!

Laut meines Ohms Jan Sauer van Pletsen (der journalistische Anwandlungen hatte und auch einige Bücher verfasst hat) bekam ein gewisser Carl Johannes von Plessen, 1795 in Ostpreußen geboren, dort Ärger mit den Behörden und verließ seine Heimat, um sich in Brabant (Belgien) niederzulassen. Opas Schwester, Ta’ Mart’ [ugs. Abkürzung von „Tante Marta“ – RL] Vorster, prahlte gern damit, dass wir Van Pletsens ja ursprünglich VON Plessen geheißen hätten und folglich aristokratisch sein müssten, und dann dämpfte der Bruder meines Vaters, der neckische Ohm Kootjie [ugs. Abkürzung v. Jakobus“, entspricht „Köbes“ im kölschen Platt – RL], immer wieder ihren Überschwang: “Ach was, Ta’ Mart’, der alte Schwerenöter war bestimmt ein Pferdedieb. Das wird der wahre Grund gewesen sein, warum er aus Ostpreußen abhauen [fliehen] musste!” In Brabant ist er Söldner geworden und hat als solcher unter Napoleon gekämpft. Nach der Schlacht bei Waterloo ist er mit einem gewissen Havenga  (bestimmt ein Vorfahre von Klasie Havenga)

1820 als blinder Schiffspassagier hier angekommen. Anscheinend verschlug es ihn schließlich bis nach Graaff Reinet, wo er eine Anna Susanna Sauer (geb. 1805) heiratete, deren Vater, Johan Nicholas Sauer, aus Köln in Deutschland gekommen und in Graaff Reinet Lehrer geworden war. Seine Ehefrau war Susanna Maryna Mulder. Dieser Johan N. Sauer war Vorfahre des ehemaligen Kabinettministers Paul Sauer.

Dieser Carl Johannes von Plessen war 25 Jahre alt, als er 1820 in Südafrika ankam und erreichte letztendlich sein 93 Lebensjahr.  Bei der Geburt meines Opas, Carl Johannes van Pletsen, anno 1857, war der o.g. Carl  62 Jahre alt geworden. Opa hat seinen Großvater folglich gut gekannt, hat sich aber anscheinend nicht sehr viel für die Herkunft des alten Mannes interessiert. Schade!

Was er  jedoch sehr wohl gewusst und uns Kindern immer wieder erzählt hat, war die Tatsache, dass sein Großvater über Brabant in Belgien [nach Kapland] gekommen war, unter Napoleon gedient und hier „eine geborene Sauer“ geheiratet hatte, die immerzu darauf bestand: „Was soll dieses Von-Zeugs — es heißt doch [bei uns] Van!” — und daraus wurde der Name  ‚Van Pletzen’. Zu meiner ewigen Schande und Reue war ich nicht interessiert genug, Opa zu fragen, ob der Alte noch Deutsch sprechen konnte und wann „Plessen“ zu „Pletzen“ verwandelt wurde  — und nun ist jede Reue zu spät. Meiner Ansicht nach ist der Wechsel von “ss” zu “tz” sehr verständlich. Der doppelte S-Laut wird in Deutsch mit „ß“ geschrieben; dieses kam den damaligen, ungebildeten Buren bestimmt völlig fremd vor, und „tz“ bot sich als eine vetrautere Lösung an.

Allmählich entwickelte sich die Aussprache zu „Pletzen“. Selbst das war einigen Leuten noch nicht phonetisch genug, sodass sie „Pletsen“ daraus machten.

 Wir Afrikaaner [d.h. Buren – RL] hatten ja nie viel Respekt für die Schreibweise oder Aussprache eines fremden Namens. Man denke an „de Raan“ (du Rand), „Losper“ (Laubscher), „Lawwerskaiing“ (Labuschagne), „du Tooi“ (du Toit) und „Senekal“ (Seneschal).

Hier folgen ein paar Histörchen, die Opa uns Kindern immer wieder, bis zum Überdruss, erzählt hat.  Ich zitiere ihn:

“Tja, und er und noch so’n kleiner Nichtsnutz, Havenga sein Name, haben sich ja auf einem Schiff versteckt, ohne zu bezahlen. Sie sind in eine große Tonne hineingekrochen,  mussten aber später wieder da hinaus, weil sie schon vor Hunger fast umkamen und von den Läusen schier aufgefressen wurden.” Dann lachte Opa so sehr über die üble Lage der beiden, dass er sich am ganzen Körper schüttelte.

Weiter: „Der Napoleon, der hatte vor nichts Bange. Eines Tages saß er vor seinem Zelt und schrieb Berichte als eine Granate just in dem Augenblick in seiner Nähe einschlug, sodass Dreck und Steine nur so über den Tisch regneten! Und Napoleon, der springt auf und brüllt SO dicke Flüche!“ (Der Opa ballte dabei immer die Faust, um zu zeigen, wie dick die Flüche waren.)

Und dann: „Tja, der Napoleon, der soll Mut besessen haben wie’n Löwe. So ein kurzes, dickliches Kerlchen mit ‘nem Kugelbäuchlein; aber weisst du, Kind, er hatte so ein weiches Herzchen! Wenn eine Schlacht zu Ende war, soll er immer die Gefallenen besichtigt haben, mit der rechten Hand vor der Brust [in den Rock] hineingesteckt und der Linken hinterm Rücken, und dann hat er wie ein Kind geweint.” (Ein bisschen dick aufgetragen finde ich, aber bei dem vielen Nacherzählen hat jeder Van Pletsen natürlich wieder einmal ein Stückchen hinzuschwadroniert.)

„Und Kind, der soll nun wirklich einer gewesen sein, der wusste, wie man Soldaten schleift. Nachts mussten sie im Feld ganz dicht nebeneinander wie die Löffel liegen, da wo sie schliefen, und um Mitternacht kam ein Offizier, der schrie dann: ‘Wenden!’ und die ganze Truppe hat sich dann umgewälzt, sodass sie alle andersrum ‚löffelgelegen’ haben.“ (Und immer schloss Opa diese unglaubliche und unwahrscheinliche Erzählung ab, indem er seufzte: “Tja, Kind, hätten wir solche Generäle gehabt, dann wär’ der Burenkrieg anders ausgegangen!”) Der Ärmste! Er war bestimmt noch ganz klein als er diese Geschichte von seinem Großvater hörte, und hatte sie gewiss nicht richtig mitgekriegt.  Aber wir Kinder haben sie immer für eine biblische Wahrheit gehalten.  Als ich später im Geschichtsunterricht mit Napoleon und seinen Eroberungen Bekanntschaft machte, musste ich oft lachen, wenn ich an das Bild der „löffelliegenden“ Soldaten dachte. Aber während des Rückzugs aus Moskau wäre dieser Einfall wohl gar nicht mal so schlecht gewesen!

Kehren wir zurück zu Carl Johannes von Plessen. Er und Anna Susanna wohnten dann in Graaff-Reinet, wo ihr Vater „Onder-Balju“ [Assistierender Gerichtsdiener – RL] und Schullehrer war. Ich zitiere Opa: „Sie lag mit einem Säugling in der Koje, da fing das Strohdach des Hauses Feuer. Durch die Tür konnte man sie nicht hinaustragen, weil diese auch schon brannte. Da hat man sie mitsamt Bett und Kind durchs Fenster herausgeholt.” Das Haus brannte mit ihrem gesamten Habe ab. Der arme Carl Johannes soll nur noch das Hemd am Leibe angehabt haben, wahrscheinlich auch noch schweißtriefend nach der Schufterei, als man daranging, Anna Susanna durch das Fenster herauszuholen. Schließlich bekam er wenigstens von einem Nachbarn eine Jacke geschenkt. Ich höre noch, wie meine Mutter die Geschichte im schockierten Flüsterton abschloss: “Und Kind, er hat wahrhaftig zuerst alle Knöpfe abgetrennt!” (Verständlicherweise, denn damals – um 1832 – waren Knöpfe in Südafrika Luxusartikel.) Sie zogen daraufhin nach Burghersdorp um, wo beide Schulunterricht erteilten. Scheinbar hat die nervenaufreibende Erfahrung im brennenden Haus in Graaff Reinet Anna Susanna keineswegs in ihrem Eifer gebremst, ihr Geschlecht zu verewigen, denn mit erneutem Fleiß und Mut widmete sie sich dieser Aufgabe so beharrlich, daß sie neun stramme Stammhälter in die Welt setzte. Selbst bei dem damals großen Kinderaufkommen muss sie Aufsehen erregt haben, denn Andries Stockenström (damals Leutnant-Gouverneur in der Östlichen [Kap]Provinz) schenkte ihr zwei Farmen (9,000 Morgen

), für jeden Sohn also 1,000 Morgen. Die Farmen, „Luipaardsvlei“ [Leopardental] und „Jachtpoort“ [Jägerpforte], lagen im Kreis Burghersdorp.

Die Namen der neun Söhne von Anna Susanna:

1)   Carl Jacobus ………………………    geb. 10. Jan. 1832,  ließ sich in Jamestown nieder.

2)   Johannes Francois                       …    geb. 17. Aug. 1835. Mein Urgroßvater.

3)   Diederik Johannes                    }

4)   Jan Jacobus                                   }  …   ließen sich in Burghersdorp nieder.

5)   Nicolaas Johannes                 }

6)   Petrus Nicolaas  ……………………  ließ sich in Dordrecht nieder.

7)   Everhardus Georg Frederik }

8)   Stephanus Albertus                 }  …  ließen sich in Rouxville nieder.

9)   Jacobus Francois                        }

Alle, die sich Van Pletzen oder Van Pletsen nennen, sind Nachfahren dieser neun Söhne. Wenn man auf einen Van Pletsen stößt, stammt er garantiert aus der Gegend um Jamestown, Barkly East, Burghersdorp oder Dordrecht, oder aus dem Freistaat

, insbesondere aus Rouxville, Zastron oder Wepener. Bestimmte Vornamen tauchen ständig irgendwo in der Familie auf — Carl Johannes, Johannes Francois, Stephanus, Nicolaas, Diederik; also die Namen der neun Stammhälter von Anna Susanna! Der alte Carl Johannes und seine Frau zogen später nach Rouxville um. Er ist dort gestorben und liegt auf der Farm „Droogfontein“ [Trockenbrunnen-RL] begraben, während Anna Susanna auf „Knoffelspruit“ [Knoblauchbach-RL]  bestattet wurde.

Der älteste Sohn dieses Carl Johannes (den wir immer “den alten Immigranten”  nannten) war:

(1) Carl Jacobus:   geb. 10.1.1832;  heiratete  Martha Christina Smith von der Farm „Wingerd“ [Weinberg] bei Aliwal

Noord.

Sie hatten 10 Kinder:

(1)  Susanna Lucya           —  geb. 1857

(2)  Carl Jacobus           —  geb. 1859

(3)  Petrus Nicolaas           —  geb. 1861

(4)  Johan Jacobus           —  geb. 1863

(5)  Anna Susanna           —  geb. 1865

(6)  Martha Christina

(7)  Erasmus Jacobus

(8)  Alida Hendrina Margaretha

(9)  Diederik Johannes           — geb. 1874

(10) Stephanus Albertus           — geb. 1876

Der zweite Sohn des „alten Immigranten“ war:

  1. Johannes Francois: geb. 17.8.1835; heir. Susanna Lucya  Smith, auch von der Farm „Wingerd“, Aliwal Noord, und eine Schwester der  Ehefrau von Carl Jacobus. Dieser war mein Urgroßvater.

Ein Porträt dieses alten Ahnen hing im Wohnhaus von „Cloverley“, der Farm meines Opas bei Barkly East. Ein zweites hing in dem Gang

im Wohnhaus von „Workshop“, der Farm seines Bruders Stephanus bei Wepener. Diese bärtige, wütend dreinblickende Gestalt war bei uns bekannt als „der alte Van Pletsen vom Gang.“ Meine Schwester, Dulcie Kroon, von Memel, OVS, besitzt auch ein Portrait von ihm, worauf er interessanterweise als ein jüngerer, freundlicherer Mann erscheint.  

Johannes Francois, Sohn meines verstorbenen Bruders Carl (auf „Nachtwacht“ bei Kokstad), besitzt die Liste der Anwesenden bei der Beisetzungsfeier für diesen alten Vorfahren. Sehr interessant. Eine prächtige Federzeichnung des Sargdeckels mit den Namen der Trauergäste und dann, in herrlicher Kupferstecher-Schrift, die Namen der Sargträger — allesamt unglaublich verhunzt wiedergegeben.

In jeder Generation haben jeweils zwei Brüder verschwisterte Ehefrauen geheiratet. Die Auswahl war damals eben viel geringer als heute!

Namen  der 9 Kinder von Johannes Francois und Susanna Lucya Smith:

(1)  Carl Johannes (mein Großvater). Geb.  22. Feb. 1857, gest.

5. Okt. 1938, heir. Frederika Petronella Magdalena Henning,

von der Farm „Lusthof“, Rouxville.

(2)  Petrus Nicolaas, heir. Alida Henning v. d. Farm „Modderpoort“,

Jamestown.

(3)  Jan Jacobus, heir. Elizabeth Brümmer (beging Selbstmord).

(4)  Johannes Francois, heir.  -?- Henning , von der Farm “Lusthof”, Rouxville (eine Schwester meiner Großmutter

Frederika).

(5)  Anna Susanna, heir. Philippus Roux von Zastron.

(6)  Martha Magdalena Maria, heir. Oelof Abraham Servaas Vorster

von Barkly East.

(7)  Susanna Lucya, heir. Thomas Theron von Cedarville.

(8)  Stephanus Jacobus, heir. Jacoba Katarina Maria („Nonnie“) Swart von “Workshop”, Wepener (Großeltern von

Dina, Kokie,  Stefaans und Erica).

(9)  Alida Hendrina Margaretha, heir. Jacobus Smith von Wepener.

Die zweite Frau des “Ahnen vom Gang” war Frederika Petronella Magdalena  Kotze.

Ihre vier Kinder:

(1)  Susanna Jacoba, heir. Gert Venter.

(2)  Jan Nicolaas, heir. Johanna van Biljon.

(3)  Frederika Petronella Magdalena, heir. Gert van Biljon.

(4)  Everhardus Georg, heir. Alida Hendrina Margaretha van Pletsen, geb. 29. Sept. 1900.

Die o.g. Alida Hendrina van Pletsen – „Tant’ Alie“ – zeigte stets großes Interesse für den Stammbaum der Van Pletsens, und hat mir während meines letzten Besuchs viel aus den  Anekdoten ihres Vaters nacherzählen können. Ihr zufolge soll der Alte Immigrant als „Carl Jacobus von Plettscher im Jahre 1795 in „Wurtburg bei Berlin“ geboren worden sein. Das finde ich nicht sehr überzeugend, da “Jacobus” kein deutscher Name ist und kein Ort dieses Namens in Deutschland zu finden ist, weder im Umkreis von Berlin noch sonstwo. Wartburg vielleicht, oder Würzburg, aber sie liegen nicht bei Berlin.

Persönlich neige ich eher dazu, den Angaben von Oom Jan Sauer mein Vertrauen zu schenken. Schließlich hat er wochenlang die Archive in Kapstadt durchsucht, während ihre Angaben auf Hörensagen beruhen, und man weiß ja wie solche Geschichten beim Nacherzählen verdreht und aufgebauscht werden oder ihre Substanz teilweise verlieren. Ich denke da z.B. an Opas Überlieferung  von den “löffelliegenden” Soldaten Napoleons!

Ich zitiere Tant’ Alie: „Carl Jacobus von Plettscher ist als Freiwilliger (?) nach Frankreich gegangen, um unter Napoleon zu dienen.“ (Ich finde es wenig glaubwürdig, dass ein deutscher Adliger als Freiwilliger nach Frankreich gezogen sein soll, um ausgerechnet für den verhassten Napoleon zu kämpfen. Glaubwürdiger ist für mich die Version meines Oom Jan Sauer, wonach er aus Brabant, wo er vielleicht schon jahrelang gewohnt hatte, als Söldner in den Krieg gezogen ist.)

Weiter: „Er und der Bruder seiner Mutter, ein gewisser Bender, waren beide Leibwachen bei Napoleon, und hier habe ich eine Champagnerflasche, woraus er und Napoleon gemeinsam getrunken haben während sie bei Waterloo auf einem Stein zusammen saßen.“ (Also nein, da kommen mir die Tränen! Kann man sich vorstellen, dass Napoleon bei Waterloo Zeit oder Lust dazu gehabt hätte, mit seiner Leibwache auf einem Stein zu sitzen und Schampus zu trinken — ausgerechnet aus derselben Flasche, und auch noch ohne Gläser? Ich kann es nicht).

Fortfahrend erzählte sie: „Nach Waterloo wurde er Matrose und er und Bender sind auf diese Weise in Sudafrika angekommen, zusammen mit der Familie Sauer, die auf dem selben Schiff waren. Später hat er eine Tochter der Sauers geheiratet.“

Auch hier ziehe ich es vor, Opas Erzählung zu glauben, wonach der Alte Immigrant und der junge Havenga als blinde Passagiere hier angekommen waren, da Opa seinen Großvater gut kannte und der Alte ihm diese Geschichte sehr oft erzählt haben soll. Dagegen war der Alte Immigrant  schon vor 12 Jahren gestorben, als Tant’ Alie 1900 geboren wurde. Sie erzählte mir, dass Johannes Francois van Pletsen (der “Ahne vom Gang”, und zweiter Sohn des Immigranten)  ein sehr reicher Mann gewesen sei mit 20,000 Morgen an Grundbesitz, sodass er jedem seiner Söhne eine große Farm schenken konnte.

Johannes Francois („Oom Hans“), die Nummer 4, bekam „Kalkfontein“ im Kreis Rouxville.  Jan Nicolaas („Oom Jan“) bekam „Knoffelspruit“ bei Rouxville. Von diesem Jan wird erzählt, daß er die Farm am Spieltisch verloren hat. Andere Farmen in seinem Besitz waren Hoekfontein, Tierhoek, Wonderwater, Klaarwater und Vinkelfontein.

Dann erzählte mir Tant’ Alie, dass „die Gegend um Barkly East damals gerade von den Kaffern gesäubert worden war

“, sodass der alte Johannes Francois (jener vom Gang) dort für seinen ältesten Sohn Carl Johannes ein Grundstück von 4,300 Morgen Größe kaufen konnte. Auf dieser Farm, „Cloverley“, wurde ich 1904 geboren, als mein Vater 24 Jahre alt war. Ich weiß, dass er seine frühe Kindheit dort erlebt hat, aber nicht, ob er 1880 auch dort geboren wurde. Das Haus, das heute [Anm.: 1974 – RL]  noch dort steht, wurde von  meinem Opa gebaut. „Cloverley“ ist einer der vielen englischen Namen von Farmen in der Gegend um Barkly East, und stammt von einem englischen Landvermesser, der die englische Literatur kannte und bewunderte. Die Buren hatten sehr wenig Verständnis für poetische Namen. In der Umgangssprache wurde Cloverley meist zu „Klawervlei“ [Kleekuhle]  verballhornt. Mit einigen Entleihungen aus “Morte d’Arthur” von Tennyson wurde auch wild umgesprungen. Ich denke hier an “Kammalot” (Camelot)  und “Laaines” (Lyonesse).

Namen der Kinder von Carl Johannes van Pletsen (ältester Sohn von Johannes Francois, dem “Gang-Ahnen”) und Frederika Petronella Magdalena geb. Henning:

(1)  Frederika Petronella Magdalena (Frikkie), heir. Nicolaas van Zyl in Cedarville, East Griqualand.

(2)  Johannes Francois (Frans), heir. Dina Johanna Crouse, geb. 21. Nov. 1877, Graaff Reinet; meine Eltern.

(3)  Carl Johannes, heir. Maria Magdalena Crouse (Schwester von Dina Johanna) — Eltern von Heloise.

(4)  Anna Susanna (Sannie), heir. Jan van Zyl (Cedarville; Bruder von Nicolaas).

(5)  Jacobus (Koot), heir. Molly Botha (Barkly East).

(6)  Petrus (Piet), heir. Lottie Pietersen (Barkly East).

(7)  Jan Sauer, heir. Rachel Toerien (Riversdal).

(8)  Nicolaas (Klaas), heir. Marie Jacobs, Chrissie Herzog, Ann Stander.

(9)  Stephanus (Faan), heir. Ada Gordon (Kapstadt).

Namen der Kinder von Stephanus Jacobus van Pletsen (8. Sohn des „Gang-Ahnen“) und Jacoba Katarina Maria (Nonnie) Swart:

  1. Johannes Francois (Cois), heir. Frederika Petronella (Frikkie) van Pletsen, Tochter von Johannes Francois  (Frans)  – 1880 und Urenkelin von Johannes Francois – 1835.

(2)  Stephanus, heir. Lily Loteryman

Namen der Kinder von Johannes Francois (Frans) – 1880 und Dina Johanna Crouse:

(1)  Helena Susara (Helen), geb. 8.6.1904,  heir.  Otto  Albrecht Lewald,  geb. 26.8.1905 in Berlin.

(2)  Frederika Petronella Magdalena (Frikkie),  geb. 18.10.1905, heir. Johannes Francois (Cois) van Pletsen

(Enkel des „Van Pletsen vom Gang“, Johannes Francois.)

(3)  Carl Johannes,  heir.  Joan Kumm, Kokstad.

(4)  Dina Johanna (Dulcie),  heir. Gerrit Kroon, Memel OVS.

(5)  Reinet Seneschal (Renée),  heir. Malcolm Fisher Vincent, Durban.

Namen der Kinder von Carl Johannes und Maria Magdalena Crouse:

(1)  Carl Johannes

(2)  Heloise Helena

(3)  Jurgen Crouse, heir. Jeanette Theresia („Tikkie“) Smit, Harrismith OVS.

(4)  Frederika (Erika),  heir. Wilhelm Dreyer, Kapstadt.

(5)  Yvonne,  heir. Marthinus Johannes van der Westhuizen, Pretoria.

Namen der Kinder von Helena Susara und Albrecht Lewald:

(1)  Deanne Seneschal, geb. 21. Januar 1940, heir. Horst Raszát in Heidelberg/Deutschland.

(2)  Theo Roon, geb. 19.6.1942, heir. Lynn Joanna Kock  [ Anm:  in 1., später  geschiedener  Ehe. Ein Kind, Katherine Helen Lewald  – RL] in Klerksdorp.

Namen der Kinder von Frederika Petronella Magdalena (Frikkie) und Johannes Francois van Pletsen (Cois):

(1)  Dina Johanna

(2)  Stephanus,  heir. Gretchen Strauss in Wepener, OVS

(3)  Jakoba (Kokie),  heir. Hermann Thormählen in The Strand

(4)  Erika Ronel,  heir. Piet Heymann

Namen der Kinder von Carl Johannes und Joan Kumm:

(1)  Nina,  heir. Johann du Rand

(2)  Johannes Francois,   heir.  Myrna Rock

Namen der Kinder von Dina Johanna (Dulcie) und Gerrit Kroon:

(1)  Gerrit van Pletsen (Poekels) Kroon,  heir. Jeanette de Villiers

(2)  Johannes Francois (Frans),  heir.  Frederika van Schalkwyk  („Vlooitjie“ [ Anm.: Kosename, “Flöhchen”])

(3)  Cornelis (Corrie),  heir. Talitha Marais

Namen der Kinder von Reinet Seneschal und Malcolm Vincent:

(1)  Dina Ann [Anm.: heir. Johan Boessenkool – RL]

(2)  Linda Jean,  heir. Rodney Pentreath [Anm.: später geschieden – RL]

(3)  Helen Bell  [Anm.:  heir. Giulio Montemarano – RL]

Namen der Kinder von Jurgen Crouse van Pletsen und Jeanette Theresia Smit:

(1)  Jeanette Theresia

(2)  Carl Johannes (Johan)

(3)  Engela Rietta

(4)  Heloise Erika Yvonne

(5)  Jurgen Smit

Name des Kindes von Frederika (Erika) van Pletsen und Wilhelm Dreyer:

(1)  Erika

Namen der Kinder von Yvonne van Pletsen und Martin van der Westhuizen:

(1)  Marleen

(2)  Matheus Jakobus

(3)  Liesel

Ich wünsche den Nachfahren viel Vergnügen beim Lesen! Hoffentlich lasst Ihr Euch nicht von den vielen Johannes Francois’s und Carl Johannes’se verwirren!

Helen Lewald (geb. Van Pletsen) Pretoria, Transvaal im Januar 1974

ANHANG

Anmerkung des Übersetzers: Ich fand in meiner maschinenschriftlichen Kopie der „Saga“ einen späteren, handschriftlichen Nachtrag meiner Mutter  über die Herkunft der Familie Senekal, mit der sie über ihre Großmutter, der gleichnamigen Helena Susara Senekal, verwandt war. Eine alte Wiedergabe dieses Familiennamens war „Seneschal“ – eine ungefähre phonetische Entsprechung  in kapholländischer Schreibweise der französisch-hugenottischen Ur-Form „Sénéchal“. In dieser Schreibweise erhielten sowohl meine jüngste Tante mütterlicherseits (Reinet Seneschal Vincent, geb. Van Pletsen) als auch meine eigene Schwester (Deanne Seneschal Raszát, geb. Lewald) jeweils diesen Nachnamen als zweiten Vornamen. – RL

Die Familie Senekal

David Sénéchal  aus „le Diep“ (Dieppe?) in der Normandie, verheiratet mit Anna Madeleine du Puit (11 Kinder), ist mit den französischen Hugenotten nach Südafrika gekommen.

Die Senekals sind alle Nachfahren dieses Davids. Seit dem Großen Treck

ist diese Familie überall im Oranje-Freistaat angzutreffen, wo Kommandant-General

 Frederik Senekal in Winburg gelebt hat. Seine Führung der Bürgermiliz in verschiedenen Kriegen der Burenrepublik Oranje-Freistaat gegen den Stamm der Basotho hat ihm eine große Rolle in der regionalen Geschichte zugesichert. Er fiel 1858

in einem dieser Kriege. Diesem tapferen Krieger zu Ehren trägt das Dorf Senekal seinen Namen (soweit ich mich erinnern kann, hat man mir erzählt, dieser Senekal sei ein Onkel meiner Großmutter Helena Susara Crouse, geb. Senekal, gewesen). Sein Bruder, Hendrik Johannes, war eine prominente Gestalt im örtlichen Kirchenleben und einer der Gründer des Dorfes Steytlerville.

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But what good came of it at last? 36 years after “The Yellow Train” Memoirs of Otto Albrecht Lewald

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